Der Mann und ich kommen aus der gleichen Welt, wir sind ähnlich groß geworden, haben Vieles gemeinsam. Wahrscheinlich würde es sonst auch nicht schon so lange so gut gehen. Gleichzeitig haben wir so unterschiedliche Ansichten… Mehr
Sashiko sticken
Die meisten Jeans für Frauen haben winzige Taschen. Kaum groß genug für meine Hände und ganz sicher ohne die Möglichkeit, das zu tun, wofür Taschen gedacht sind: kleine Dinge griffbereit zu halten. Das Handy, das Portemonnaie. Genau genommen keine echten Taschen. Denn wären sie das, wären die meisten Handtaschen wohl überflüssig. Handtaschen, an denen die Modeindustrie milliardenschwer verdient.
Und ja, weil ich ich bin, sehe ich natürlich auch ein total veraltetes Rollenbild. Da ist zum einen dieses Design, das impliziert, dass Frauen weder Geld noch andere wichtige Dinge tragen müssen. Der Mann als Versorger … Und zum anderen habe ich das Gefühl, dass mal wieder Ästhetik vor Funktion kommt: die meisten Frauenhosen sind um die Hüfte eng, betonen eine „schlanke Silhouette“. Ausgebeulte Taschen passen nicht dazu.
Kurz: kleine Taschen sind für mich (wie High Heels im Übrigen auch) wieder mal Zeichen dafür, dass Mode Frauen funktional einschränkt, damit sie ein bestimmtes Schönheitsideal erfüllen. Mit der Botschaft: Deine Bequemlichkeit und Selbstständigkeit sind weniger wichtig als Dein Aussehen.
Ich hätte auch einfach schreiben können, ich trage sehr gerne Männerhosen. Und damit bin ich bei dem, wovon ich eigentlich erzählen wollte.
Früher erbte der Sohn immer mal wieder Jeans von seinen Cousins. In der Regel trug der Ältere, mein Patensohn, sie zuerst, vererbte sie an seinen kleinen Bruder (so lange der noch kleiner war) und dann kam die Hose irgendwann zu uns. Diese „Jeans-Verwertungskette“ fand erst ein Ende, als der Sohn ein Teenager und größer als die Cousins war.
Eine der letzten Hosen landete dann in meinem Kleiderschrank. Ich gestehe: ich wollte sie von Anfang an. Denn mit ihrer Weite, den riesigen Taschen und der hellen Farbe fand (und finde) ich sie unfassbar cool.
Mittlerweile trage ich sie allerdings schon so lange, dass sie an ihre Grenzen kommt … Materialermüdung überall. An der Kante der (vielgenutzten) Taschen, auf den Oberschenkeln, unten am Saum. Aber ich bin nicht bereit, sie herzugeben. Noch nicht.
Also habe ich mich die letzten Wochen immer mal wieder mit Sashiko Stickerei beschäftigt. Sashiko ist eine traditionelle japanische Sticktechnik, die ursprünglich aus der Notwendigkeit entstand, Kleidung haltbarer zu machen. Also genau das, was ich brauche. Übersetzt bedeutet Sashiko „kleine Stiche“ und nichts anderes ist es: kleine, einfache Stiche, in sich wiederholenden Mustern, mit denen man Stoffe reparieren und verstärken kann, während superschöne, geometrische oder florale Muster entstehen. In der Regel sind sie weiß auf indigo-blauem Stoff.
Können muss man eigentlich nichts dafür. So lange Stiche und Zwischenräume möglichst gleich lang werden, ist alles gut. Und auch die Materialkosten sind überschaubar. Ich habe zwei Sashiko-Nadeln gekauft (sie sind deutlich länger als andere Nadeln), Sashiko-Garn (fester als Stickgarn) und ein Blatt wasserlösliches Stickfliess. Das war’s.
Dann – rabbit hole! – habe ich mich auf Instagram verloren und stundenlang zugesehen, wie andere Sashiko sticken. Es gibt so unfassbar schöne Muster! Eine Entscheidung zu treffen, war echt nicht leicht. Zum Glück hat meine Hose viele Stellen, die repariert oder verstärkt werden müssen – ich kann (und werde!) also noch mehrere Muster ausprobieren.
Ein Erstes ist seit gestern fertig! Ein Zweites ist in der Mache!
Die ausgefransten Kanten der Taschen (ich hätte vorher ein Bild machen sollen, habe ich aber nicht), sind einfach nur mit Stickgarn eingefasst. Keine Ahnung, ob und wie lange das hält, aber da wollte ich Farben haben. Und jetzt sticke ich weiter, so lange mein Faden und der Bogen Stickfließ noch reichen.
Gefunden habe ich Expertise und Material übrigens hier in Berlin bei Sticken & Gestalten. Für alle Nicht-Berlinerinnen: Sie hat auch einen Online-Shop (für Sashiko, aber auch für „herkömmliches“ Sticken) und bietet ab Sommer wieder Kurse an.
Dem Sohn hat die Idee der Sashiko-Reparatur dann so gut gefallen, dass ich Sorge hatte, die Hose wieder rausrücken zu müssen. Nur passt sie ihm nicht mehr. Manchmal hat man eben Glück 😉
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Kunst(unterricht) in der Schule
Als der Sohn klein war und noch zur Schule ging, hatte er natürlich auch Kunst-Unterricht. Und irgendwann in der 5. oder 6. Klasse haben sie gemacht, was alle Kinder irgendwann machen: sie haben aus schwarzer Pappe Formen ausgeschnitten und die entstandenen Löcher mit Pergament-Papier hinterklebt.
Gesprochen hat er nie darüber, nur dass er mit der Lehrerin nicht so gut zurecht käme. Das erinnere ich noch. Ich weiß sogar noch ihren Namen.
Dann kam er irgendwann mit dieser Papprolle nach Hause … Wochenlang hatte er an seinem Werk gearbeitet. Und in so ziemlich jeder Unterrichtsstunde habe die Lehrerin mit hochgezogenen Augenbrauen gefragt, was das denn werden solle. Immer wieder habe sie ihn aufgefordert, neu anzufangen, wenn er keine 5 haben wolle. Aber das wollte er nicht – beides nicht: Weder neu anfangen, noch die 5.
In seiner Not habe er in der letzten Stunde gesagt „das werde ich verschenken“. „Wer soll das denn schön finden?!“ sei Frage der Lehrerin gewesen. „Meine Mutter“ war seine Anwort. Er nahm die Rolle mit (übrigens auch die 5) und ging nach Hause.
All das erzählte er mir, in einer Mischung aus verzweifelt und hoffnungsvoll, während ich die Rolle aufmachte.
So sah es aus.
Ich habe die Arbeit gesehen, die er da reingesteckt hat. Die Farben, die Idee eines Monsters, aber auch die Mühe, die er sich gegeben hat. Also habe ich ihn umarmt, jedes Detail des Bildes gefeiert, gefragt, wie er es gemacht hat und mich gefreut.
Was Mütter halt so machen.
Am nächsten Tag habe ich das Bild mit ins Büro genommen und dort ans Fenster gehängt. Da hing es dann fast 10 Jahre, bis das Büro nicht mehr mein Büro war. Ab und an (meistens in den Ferien) kam der Sohn mit mir mit und war immer wieder stolz, es dort hängen zu sehen.
Seit einigen Jahren hängt es nun zu Hause in der Küche. Wieder am Fenster. Die Farben sind matt geworden und ab und an denken wir darüber nach, die Folie zusammen zu erneuern. Aber vielleicht auch nicht. Sicher ist nur, dass es dort weiter hängen wird. Weil ich es wirklich gerne mag.
Ich finde es schön.
Die Lehrerin habe ich damals übrigens angeschrieben. Sie stand zu einem Gespräch leider nicht zur Verfügung. Auch auf meine Mail kam nie eine Antwort.
Warum ich das erzähle? Es gibt (unbedachte) Kommentare, die so unfassbar viel kaputt machen können. Das Kind ist mittlerweile erwachsen, ein Künstler wurde aus ihm nie. Er hätte Zuspruch gebraucht (nicht nur von seiner Mutter), Motivation und ja, er hätte vielleicht auch üben müssen. Aber da wurde nichts draus. Vielleicht, weil die Kunstlehrerin (und in Konsequenz auch die Schulnote) die gleiche blieb, bis er Kunst abwählen konnte.
Am vergangenen Montag habe ich auf Deutschlandradio Kultur ein Gespräch mit dem Künstler Yadegar Asisi gehört. Jeder kann zeichnen sagt er (so heißt übrigens auch sein gleichnamiger YouTube Kanal in dem er Zeichnen lehrt – große Empfehlung!). Man kann es lernen, wie schreiben oder lesen. Goethe zum Beispiel konnte zeichnen. Nicht, weil er Talent hatte, sondern weil er es gelernt hat – so Asisi.
Mit ausschneiden und Folie hinter Formen kleben ist es meiner Ansicht nach nicht anders – man kann es lernen. Ich bin überzeugt davon, dass jedes Handwerk – egal, ob zeichnen, ausschneiden oder stricken – ein Mittel ist, um die Welt bewusster wahrzunehmen, nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu begreifen.
Aber wem sage ich das – Ihr wisst es ja auch. Jeder und jede kann beim telefonieren Würfel zeichnen, sagt Asisi. Wer Würfel kann, kann Pyramiden. Mit Übung irgendwann auch Schattierungen.
Ich habe große Lust, das zu probieren.
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3 Minuten: GumGum Socken
3 Minuten – mehr braucht es in der Regel nicht, um nachzulesen, was mir gerade nicht einfällt. Eine bestimmte Technik, ein Kniff, eine Eselsbrücke, eben das, was mir in genau diesem Moment beim Stricken oder Häkeln weiterhelfen würde.
Aber wo habe ich es hingeschrieben? War es online oder auf einem Zettel? Meistens dauert die Suche danach viel länger als von mir gewollt (auf jeden Fall deutlich länger als drei Minuten …). Deshalb habe ich irgendwann entschieden, all diese Dinge in einer eigenen Rubrik zu sammeln: drei Minuten, um mir (und vielleicht auch Euch) das Leben Stricken ein bißchen einfacher zu machen.
Jetzt also GumGum Socken!
GumGum-Socken oder Helix-Socken – die Idee dahinter ist die Gleiche: endlose Ringel und total einfach.
Namensgeberin der GumGum-Socken ist (nach allem, was ich finde) Sabina Koschlig, die sie 2008 in ihrem Blog gezeigt hat. Die Farben dieses ersten Paares erinnerten sie an Kaugummi, englisch: Chewing Gum. Also nannte sie ihre Ringelsocken so: GumGum. Und das blieb hängen. Aber Erfinderin dieser Socken war sie nicht.
Denn im englischsprachigen Raum gibt es sie als Helix Socks oder Helical Socks schon deutlich länger als bei uns.
Wer immer die unendlichen Ringel nun erfunden hat und wie immer man sie nennt, ob Helix oder GumGum, eines ist ihnen gemeinsam: Der Übergang von einer Farbe zur nächsten ist unsichtbar, es gibt keine Naht. Nur Ringel, die sich ohne Unterbrechung in Spiralen um Bein und Fuß drehen.
Ringel sind übrigens total angesagt gerade.
Nach jeder Runde wird die Farbe gewechselt und so lange sich die Fäden am Rundenbeginn bzw. -ende nicht überkreuzen (also auf gar keinen Fall!), entsteht auf der rechten Seite kein Übergang, sondern der Ringel läuft weiter.
Bei meinen Socken habe ich zuletzt eine graue Runde gestrickt. Der graue Faden liegt deshalb „oben“ – sieht man im Bild. Jetzt kommt als nächstes der pinke Faden aus der Runde darunter. Und er bleibt unterhalb des Grauen, bis er dann am Ende der Runde der obere Faden ist. Ist das verständlich erklärt?
Manchen fällt das Stricken von Helix-Streifen mit Nadelspiel leichter. Da werden immer nur drei Nadeln des Nadelspiels in einer Farbe gestrickt:
Zuerst werden rechte Maschen über die 1., 2. und 3. Nadel in Farbe A gestrickt. Dann folgen die 4., 1. und 2. Nadel (also die nächsten drei Nadeln des Nadelspiels) in Farbe B. Nun geht es dort weiter, wo der Faden der Farbe A hängt (am Anfang der 4. Nadel) und wieder werden die Maschen auf drei Nadeln abgestrickt. Weiter geht es, wo der Faden der Farbe B hängt.
Die Käppchenferse strickt sich bei Helix-Socken wahrscheinlich einfacher, aber die Bumerangferse geht auch.
Am schönsten wird sie mit nur einer Zwischenrunde (bei meinen Socken in pink), um die Ringelfolgen nicht zu unterbrechen.
Und wo ich schonmal dabei bin: was mit zwei Farben funktioniert, ist auch mit bis zu fünf verschiedenen Farben möglich. Damit sind GumGum-Socken prädestiniert, um Wollreste zu verarbeiten. Kleine und allerkleinste Reste.
Das Ergebnis sind kunterbunte Socken, die – irgendwie logisch – in der Regel nicht identisch werden. Wie auch, wenn du immer dann, wenn ein Faden zu Ende geht, einfach den nächsten in einer anderen Farbe ansetzt.
Und so wird mit fünf Farben gestrickt: Nachdem du das Bündchen in Farbe A gestrickt hast strickst du noch alle Maschen der ersten Nadel in der gleichen Farbe. Laß den Arbeitsfaden hängen und strick die Maschen der zweiten Nadel in Farbe B. Wieder bleibt der Arbeitsfaden hängen und die Maschen der dritten Nadel werden in Farbe C gestrickt und schließlich alle Maschen der vierten Nadel in Farbe D.
Nun kommt die nächste Runde: Die Maschen der ersten Nadel werden in Farbe E abgestrickt. Ab dann greifst du jeweils den vor der nächsten Nadel hängenden Arbeitsfaden auf und strickst die Maschen einer Nadel ab, d.h., du wechselst nach jeder Nadel den Arbeitsfaden. Ganz einfach, oder? Zumindest was die Technk anbelangt. Fünf Fäden an fünf verschiedenen Knäueln muss man mögen …
Natürlich kann man diese Technik nicht nur beim Stricken von Socken anwenden, sondern grundsätzlich immer dann, wenn in Runden gestrickt wird. Bei einem Loop, bei Pulswärmern oder sogar in der Rundpasse eines Pullovers. Ungewöhnlich und ohne jeglichen Übergang werden sie auch, wenn du ausschließlich linke Maschen strickst. Oder wenn du Helix-Streifen mit Hebemaschen kombinierest.
Aber das wäre wohl ein weiterer Blogpost.
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Waldorf-Bauernhof
Die Liste all der Dinge, die ich stricken möchte, reicht von hier bis nach Norwegen (ungefähr). So viele Pullover und Jacken, die ich gerne hätte, Techniken oder Konstruktionen, die ich gerne probieren würde, Knäuel und Stränge, die auf mich warten. Jeden Tag habe ich die Nadeln in der Hand und doch wird die Liste nicht kürzer.
Weil ich zwischendurch immer wieder für andere stricke, weil ich ein- und dasselbe Modell mehrfach stricke oder weil ich über Anleitungen stolpere, die sofort dieses Gefühl von „haben wollen“ hervorrufen. Und die drängeln sich sofort auf Platz 1 meiner Liste.
So zuletzt geschehen beim Waldorf Bauernhof.
So eine Bauernhof-Welle hatte ich schonmal. Damals habe ich Schafe und Pferdeherden gestrickt. Das war 2013. Der (englische) Blogpost ist so alt, dass die Bilder irgendwo auf der Strecke geblieben sind. So schade! Aber eins der kleinen Pferde ist noch hier. Nach all den Jahren ist es unverändert ohne Mähne und ohne Ohren. Es sieht ein bißchen mitgenommen aus.
Nun also Schweine, vielleicht auch einen Esel. Die kleinen Tiere hat Ruth Bronsema für einen Waldorf-Kindergarten entworfen und in einem (kostenfreien!) eBook „Wir stricken einen Bauernhof“ veröffentlicht.* Sie sind nach Schwierigkeitsgrad sortiert. Den Anfang macht die Ente, dann kommt die Gans, gefolgt von Hahn und Hühnern. Es gibt Hasen, Katzen und kleine Schafe, Tauben, Schweine, Pferde und Esel. Einen Fuchs (was immer der auf dem Bauernhof macht), einen Hund und einen Storch. Kein Bauernhof ohne Kuh und dann ist da noch die Bauernfamilie.
Es lohnt sich wirklich, alle Anleitungen einmal anzusehen. Sie sind einerseits so klar und einfach, andererseits so detailliert und jedes mit eigenem Charakter. Eigentlich werden sie mit Schafwolle gestopft (Waldorf-Kindergarten eben 😉), aber abgesehen davon, dass ich keine habe, mag ich auch den Geruch nicht (so) gerne … Also nehme ich Wollreste, diese abgeschnittenen kleinen Enden, die nach dem Vernähen übrig bleiben (bitte sagt, dass Ihr die auch aufhebt 🙈). Sie sind schwerer als Füllwatte, die Tiere stehen damit stabiler und halten die Form länger.
Jedes ist schnell gestrickt – viel schneller, als das anschließende Zusammennähen dauert. Deshalb wird es wohl auch kein Bauernhof, sondern wiedermal nur eine Handvoll Tiere, ehe ich dann, zusammen mit Andrea, eine Gans stricken werde!
Eine richtige, große Gans! Das haben wir lange geplant und hätte ich nicht die Kinderjacke zweimal gestrickt, wäre mir nicht der Bauernhof dazwischen gekommen, wäre ich schon dabei.
Nur noch einen Esel … Also vielleicht …
* Vielleicht war es nicht Ruth Bronsema, sondern Freya Jaffke, die die Idee zu den Tieren hatte. Nic hat mir geschrieben, dass sie sie vor langer Zeit in einem Heft aus 1973 gefunden und nachgestrickt hat: Jaffke, Freya. Arbeitsmaterial aus den Waldorfkindergärten. Heft 1, Stuggart: Verlag Freies Geistesleben, 1973
Authentisch
Authentisch – das ist eins der Worte, bei denen ich mir nie sicher bin, ob ich es richtig schreibe. Vielleicht wegen des „th“ in der Mitte. Eben bin ich wieder daran hängen geblieben und habe daraufhin mal nachgesehen, woher das Wort eigentlich stammt und ob seine Bedeutung immer die gleiche war.
Und – siehe da – war sie nicht.
In der Antike wurde authentisch nur für Dokumente verwendet, die als Original galten. Im Mittelalter stand es eher für „beglaubigt und nicht gefälscht“ und wurde entsprechend bei offiziellen Dokumenten oder religiösen Texten genutzt. In der Neuzeit konnten dann auch Kunstwerke, historische Gegenstände oder Traditionen authentisch sein und heute ist der Begriff noch mal weiter gefasst: Verhalten, wenn es zu den eigenen Werten oder Gefühlen passt, zum Beispiel. Und dann gibt es authentische Menschen – die gelten als natürlich, unverstellt, ehrlich.
Fand ich spannend!
Wenn ich also in meinem Blog stärker auf Authentizität achten würde, würde sich dann der Inhalt verändern oder vielmehr nur die Haltung, aus der heraus ich schreibe? Denn authentisch zu schreiben bedeutet ja nicht, alles preiszugeben oder jeden Gedanken ungefiltert zu veröffentlichen. Es bedeutet eher, dass das, was ich teile, wirklich meiner eigenen Perspektive entspricht.
So gesehen, ist das hier dann doch ziemlich authentisch.
Ganz authentisch ist, dass ich aktuell mit einer Kinderjacke hadere: Dahlia Barn. Ein kleines Mädchen soll sie tragen, wenn es bei der Hochzeit seiner Tante Blumen streut. Und plötzlich ist da immenser Druck. ALLE werden das Kind sehen und ALLE seine Jacke.
Das Maschenbild ist nicht so schön (wie es sein könnte), die Wolle vielleicht doch zu dünn, die Jacke sicherlich zu klein bis zur Hochzeit … Bekloppt! „Wenige Menschen haben ein so geschultes Maschen-Auge“ hat mir eine Strickfreundin geschrieben, der ich ein Bild geschickt habe und dass die Jacke sicher passen wird, wenn ich mich an die Maße gehalten habe (habe ich).
Sie hat Recht. Und doch …
Ich stricke sicherheitshalber eine zweite. Andere Wolle, dickere Nadeln, mehr Konzentration. Wunderbares Maschenbild, am Ende auch bißchen größer, aber wahrscheinlich zu warm und zu schwer für den Sommer.
Authentischer kann man wohl kaum beschreiben, was im Kopf strickender Menschen vorgeht … 🙃.
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